Mesut Pazarci: Die Historie von Gold

Veröffentlicht von Mesut Pazarci am

Redaktion: Herr Pazarci, was können Sie uns über die geschichtliche Entwicklung von Gold erzählen?

Mesut Pazarci: Die Entwicklung von Gold ist mehr als Zweieinhalbtausend Jahre alt.

Haben Sie schon etwas von König Krösus gehört. Dieser liest die ersten Goldmünzen von einheitlicher Größe und einheitlichen Wert mit Prägestempel versehen und als quasi Qualitätsstandard für Edelmetall unter das Volk bringen. Zu diesem Zeitpunkt, das war 560 vor Christus, erfüllte Gold quasi die erste klassische Geldfunktion als Tauschmedium.

Redaktion: Ich dachte immer, dass die Römer die ersten Goldmünzen geschaffen hätten.

Mesut Pazarci: Nein dem ist nicht so. Erst rund 200 Jahre vor Christus wurden im römischen Reich die ersten Goldmünzen geschlagen. die Römer haben diese Handwerkskunst von den Griechen übernommen. Unter Julius Cäsar wurden dann vermehrt Goldmünzen geprägt unter anderem der Aureus.
Danach haben die Römer die Silberwährung eingeführt, die jedoch später wieder an Bedeutung verlor.
Kaiser Konstantin der Große hat rund 300 Jahre nach Christus eine stabile Goldwährung eingeführt. Als Zahlungsmittel nutzte er den sogenannten Solidus.

Redaktion: Wie lange hat denn die Goldwährung der Römer bestand?

Mesut Pazarci: Schon die Römer erhoben Gold zur Leitwährung.

Der Solidus war in Europa Nordafrika und Vorderasien bis zum beginnenden zwölften Jahrhundert die Leitwährung.

Die Zirkulation als Zahlungsmittel nahmen im frühen Mittelalter erst einmal ab. Geldmünzen gewannen in zunehmendem Maße an Bedeutung, welche dem Handels- und Marktgeschehen dienten.

Die Zeiten ändern sich. Es kamen die Kreuzzüge, der freien Handel wurde ausgedehnt und es entstanden neue Goldwährungen. So der Florin und der Goldgulden in Florenz, der Dukat in Venedig und der Genovino in Genua. Dies waren so genannte Reservewährungen des Mittelalters.

Mesut Pazarci: Gold ist die sichere Reserve für Krisenzeiten.

Das Spätmittelalter war geprägt durch Katastrophen wie Pest, Kriege und Hungersnöte. Die Einwohnerzahl der Länder Europas dezimierte sich in den Jahren von 1340 bis 1450 um mehr als ein Drittel. Im gleichen Zeitraum sank deshalb auch die Münzproduktion um 80 %. Somit überstiegt der Bedarf an Zahlungsmitteln das Angebot. Da Goldmünzen wertvoll und knapp waren, wurden sie zunehmend gehortet. Dies führte zur Deflation, da dem Geldumlauf das Edelmetall entzogen wurde.

Mit der Entdeckung Amerikas flossen im 16. Jahrhundert mehr als 5000 Tonnen Gold nach Europa, das in Form von Goldmünzen Zahlungsmittel wurde. Die Zunahme der Goldmenge hatte enorme Folgen für die Volkswirtschaften auf der gesamte Erde. Die Preise begannen weltweit zu steigen. Bisher kannte man keine Inflation. Das Übel der stetigen Inflation, dass heute als normal gilt, hatte es bisher in Europa, also vor dem 16. Jahrhundert, so nicht gegeben.

Mesut Pazarci: Gold war bei die Herrschenden schon immer begehrt.

Im 16. und 17. Jahrhundert führte die betrügerisch Goldentwertung zu steigenden Gold und Silberpreisen. Vollwertige Münzen wurden zu dieser Zeit eingeschmolzen oder an den Rändern beschnitten. Aus dem so gewonnenen Metall wurde unter Zugabe von Kupfer neue Münzen hergestellt. Friedrich der Große finanzierte unter anderem damit den Siebenjährigen Krieg.

Redaktion: Wann wurde der sog. Goldstandard begründet?

Mesut Pazarci: Die Entwicklung des Goldstandards vollzog sich in mehreren Schritten

Isaak Newton legte 1717 einen zu niedrigen Goldpreis für Silber fest und somit den Grundstein des Goldstandards. Dies wurde am 22. Dezember 1717 durch königliche Proklamation verfügt.

Es folgte der sog. Bimetallismus. Grundlage des eigentlichen Bimetallismus war die vertragsmäßige oder gesetzliche Festschreibung eines festen Wertverhältnisses zwischen den verwendeten Münzmetallen innerhalb eines Landes oder den finanzstärksten Ländern einer Währungsunion.

Im Jahre 1789 wurde in der Verfassung der Vereinigten Staaten der Bimetallismus als Währungsstandard festgelegt.
Das gesetzliche Tauschverhältnis von Silber zu Gold betrug 15:1. Mit dem „Coinage Act of 1873“ gaben die USA den Bimetallismus dann wieder auf.

Mit Einführung des Goldstandards entstand das Recht, bei der Zentralbank sein Bargeld gegen die entsprechende Menge Gold zu tauschen (Verpflichtung zur Konvertibilität). Die Goldparität bezeichnet dabei das Umtauschverhältnis. Die Hinterlegung der Währung mit Gold fungierte als Absicherung vor zu starker Bargeldinflation.

Ich würde mir wünschen, das würde heute noch gelten.

Mesut Pazarci: Die englischen Banker hatten auch schon vor 200 Jahren die Zügel in der Hand.

Am 22. Juni 1816 erklärte Großbritannien mit dem „Lord Liverpool’s Act“, auch Coin Act genannt, die Goldwährung per Gesetz zur Landeswährung. Da die meisten anderen Länder ihre Wechselkurse an die britische Währung koppelten, wurde das Pfund quasi zur Leitwährung. Die Anpassung vollzog sich zwangsläufig aufgrund der zunehmenden britischen Dominanz in den internationalen Finanz-, Wirtschafts- und Handelsbeziehungen. Zwei Drittel des gesamten Welthandels wurden im 19. Jahrhundert in der britischen Währung abgewickelt und der größte Teil der weltweiten Währungsreserven in Pfund Sterling gehalten.

Mesut Pazarci: Auch die USA und Deutschland machten das Gold zum offiziellen Zahlungsmittel

Mit dem „Coinage Act of 1834“ wurde das gesetzliche Tauschverhältnis von Gold zu Silber im Verhältnis 1:16 festgelegt und damit de facto der Goldstandard auch in USA eingeführt. Mit dem „Gold Standard Act“ vom 14. März 1900 wurde die Goldwährung in den USA offizielles Zahlungsmittel.

Im Deutschen Reich wurde die Einführung des Goldstandards durch mehrere Gesetze und Verordnungen vorbereitet.
Das Münzgesetz vom 9. Juli 1873 bestimmte die Goldmark spätestens zum 1. Januar 1876 zur einzigen Reichswährung.

Redaktion: Warum konnte der Goldstandard nicht beibehalten werden?

Mesut Pazarci: Dafür waren diverse Entwicklungen verantwortlich.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges endete 1914 in den meisten Ländern die Goldeinlösepflicht (am 4. August 1914 auch im Deutschen Reich). Statt des Goldstandards erfolgte entsprechend den Empfehlungen der Konferenz von Genua lediglich eine Devisenbewirtschaftung.

In Deutschland führten der verlorene Erste Weltkrieg und die damit verbundenen Reparationen, welche die Goldreserven des Staates verbrauchten, zur zwangsweisen Umstellung auf nichtgoldgedecktes Geld. Unter der Last der Reparationszahlungen, der Ruhrbesetzung und dem Versuch, die besetzten Gebiete finanziell zu unterstützen, entwickelte sich die Hyperinflation. Im November 1923 gab die Reichsbank einen Geldschein über eine Billion Mark heraus, insgesamt wurden während dieser Zeit 10 Milliarden Geldscheine gedruckt, die letztlich noch nicht einmal das Papier wert waren, auf denen sie gedruckt waren.

Redaktion: Konnte Gold Währungskrisen und Hyperinflation überstehen?

Mesut Pazarci: Trotz des Goldverbotes war Gold die einzig wahre Garantie für den Werterhalt.

Mit Gold konnte während der Hyperinflation zwar kein realer Gewinn erzielt werden, doch langfristig behielt das Edelmetall wie keine andere Anlageklasse seinen Wert. Wer Goldbarren, Goldmünzen oder den goldgedeckten US-Dollar besaß, konnte sein Vermögen absichern und die Kaufkraft erhalten. Gold bot im Vergleich zu allen Anlageklassen den besten Schutz vor Kaufkraftverlusten.
Es gab zwar in der Zeit von 1923 bis 1931 ein Goldverbot. Hierbei legt eine Regierung gesetzlich fest, dass privater Goldbesitz an staatlichen Annahmestellen abgegeben und gegen Landeswährung eingetauscht werden muss.
Doch wer hielt sich daran. Auf dem Schwarzmarkt hat Gold seinen Wert auch zu dieser Zeit nicht verloren.

Auch im 3. Reich war der Goldbesitz im Wesentlichen untersagt worden. Obwohl Zuwiderhandlungen mit hohen Strafen belegt wurden, haben viele Bürger Ihr Gold behalten.
Redaktion: Wie ging die Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg weiter?

Mesut Pazarci: Mit der Einführung des Gold-Dollar-Standards

Im April 1944 wurde mit dem Bretton-Woods-System ein internationales, auf dem goldhinterlegten US-Dollar basierendes Währungssystem geschaffen und der US-Dollar zur Weltleitwährung gewählt. Ziel des Abkommens war die reibungslose und von Handelsbarrieren befreite Abwicklung des Welthandels bei festen Wechselkursen. Das Abkommen legte ein Tauschverhältnis von 35 Dollar je Feinunze Gold fest. Durch die Orientierung der Währungskurse am US-Dollar konnte der Goldpreis für langfristig festgelegt werden. Die US-Notenbank verpflichtet, die Dollarreserven jedes Mitgliedslandes zum vereinbarten Kurs in Gold umzutauschen.

Die Zentralbanken der Mitgliedstaaten hatten sich mit Abschluss des Vertrages dazu verpflichtet, durch Eingriffe auf den Devisenmärkten die Kurse ihrer Währungen in festgelegten Grenzen zu halten. Die Bundesrepublik Deutschland trat dem System fester Wechselkurse 1949 bei. Zur Überwachung des Systems wurden die Weltbank, die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) und der Internationale Währungsfonds (IWF) gegründet.

Anleger, die physisches Gold über den Zweiten Weltkrieg retten konnten, bewahrten ihr Vermögen.

Letzte Reichsmark- und erste DM-Kurse 1948
Anlageklasse Letzter
RM-Kurs
Erster
DM-Kurs
Veränderung
in %
Aktien
Offizielle Kurse 161,78 30,53 -81,13
Schwarzmarktkurse 305,68 30,53 -90,01
Verzinsliche Wertpapiere
Öffentliche Anleihen 154,25 12,25 -92,06
Pfandbriefe 95,92 7,96 -91,70
Industrieanleihen 105,27 7,39 -92,98
Edelmetalle
Gold pro kg 3600 3600 0,00

Redaktion: Wie lange hatte der Gold-Dollar-Standard Bestand?

Mesut Pazarci: Bereits 1971 war der Gold-Dollar-Standard Geschichte.

1969 wollten mehrere Teilnehmerstaaten aus dem Bretton-Woods-Abkommen ihre Dollarreserven in Gold einlösen. Die USA war jedoch nicht in der Lage, ihren vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen. Am 15. August 1971 erklärte der amerikanische Präsident Richard Nixon die Aufkündigung des Gold-Dollar-Standards (= Nixon-Schock).

Redaktion: Wie entwickelte sich der Goldkurs nach der Aufgabe des Gold-Dollar-Standards?

Mesut Pazarci: Die Goldpreisentwicklung war ganz unterschiedlich.

Erst stiegen die Goldkurse stark an. Am 1. Mai 1972 stieg der Goldpreis mit 50,20 US-Dollar pro Feinunze erstmals seit 1864 wieder über die 50-Dollar-Marke. Am 14. Mai 1973 überschritt der Goldpreis in London mit 102,25 US-Dollar erstmals die 100-Dollar-Grenze. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass erste Ende 1974 der Goldbesitz in USA wieder legalisiert war. Am 27. Dezember 1979 überwand der Goldpreis mit 508,75 US-Dollar erstmals die Marke von 500 US-Dollar und erreichte im Januar 1980 den vorübergehenden Höchststand von 885 Dollar.

1980 begann dann ein zwanzigjähriger Abwärtstrend des Goldpreises. Am 20. Juli 1999 erreichte der Goldpreis in London mit 252,80 US-Dollar einen absoluten Tiefststand.

Seit 2001 steigt der Goldpreis kontinuierlich. Eine steigende Nachfrage ließ den Goldpreis 2005 zum ersten Mal seit 1987 über die 500-Dollar-Grenze ansteigen. Am 13. März 2008 stieg der Goldpreis an der New York Rohstoffbörse (NYMEX) im Handelsverlauf erstmals über die 1000-Dollar-Marke.

Am 19. April 2011 war der Goldpreis in New York im Handelsverlauf erstmals höher als 1.500 US-Dollar pro Feinunze.
Am 6. September 2011 stieg der Goldpreis in New York sogar auf ein Allzeithoch von 1.920,65 US-Dollar pro Feinunze.
In der europäischen Gemeinschaftswährung wurde am 1. Oktober 2012 mit 1.388,62 Euro pro Feinunze ein Rekordpreis erzielt.

Gründe für den massiven Kursanstieg gab es zuhauf. Die von Regierungen und Zentralbanken im Kampf gegen die weltweite Banken- und Finanzkrise ergriffenen Maßnahmen führten zu wachsenden Staatsverschuldungen und zur Einführung einer Niedrigzinspolitik. Die weltweite Staatsverschuldung stieg zwischen 2002 und 2012 von etwa 20 Billionen auf 49 Billionen US-Dollar. Anleger befürchteten wegen der Ausweitung der Geldmenge durch die Notenbanken eine massive Geldentwertung. Hinzu kam eine starke Nachfrage nach Schmuck, vor allem aus der Volksrepublik China und Indien sowie Käufe institutioneller Investoren.
Redaktion: Warum brach der Goldkurs 2013 ein?

Mesut Pazarci: Der Kurseinbruch war manipuliert.

Anfang April 2013 sank der Goldpreis für eine Feinunzean der New Yorker Rohstoffbörse NYMEX erstmals knapp unter die Marke von 1.500 US-Dollar und erreichte damit den tiefsten Stand seit Juli 2011. Das Jahr 2013 beendete der Goldpreis knapp über der 1.200 US-Dollar Marke. Im Jahr 2014 zeigte der Goldkurs außer einigen volatilen Schwankungen letztlich nur eine Seitwärtsbewegung und ist in 2015 sogar noch auf 1.100 Dollar (975 Euro) abgefallen.

Warum?

Ich gehe wie auch viele andere Akteure davon aus, dass diese Kursentwickung manipuliert war.

Darüber berichte ich Ihnen in meinem nächsten Artikel.


Mesut Pazarci

Gold ist meine Welt. Mit physischem Gold konnte ich viele Kunden Jahr für Jahr nicht nur eine sichere sondern auch eine rentable Anlage bieten. Dadurch erreichte ich überdurchschnittliche Erfolgsquoten bei meinen Vertriebspartner und in unserem Unternehmen.

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